Warum wir Demut brauchen

Das lateinische Wort für Demut ist humilitas, es hat mit Humus, Erde, zu tun. Demut bezeichnet die Geisteshaltung, die aus dem Bewusstsein entsteht, das der Mensch im Vergleich zum Göttlichen fehlbar und schwach ist.

Es braucht Mut, um sich mit der irdischen unvollkommenen, schwachen und sterblichen Seite menschlicher Existenz auseinanderzusetzen. Dennoch, nur über die Konfrontation mit irdischen Begrenzungen (Saturn) kann die Seele reifen und sich dem Göttlichen (Sonne) annähern.

Die Sonne ist Symbol des Lebens und des göttlichen Kerns in uns, sie ist das hellste Licht am Himmel. Saturn ist der letzte mit bloßem Auge zusehende Planet, er ist „der Hüter der Schwelle“, er steht für Materie, Begrenzungen, Einschränkungen und Tod.

Saturn gilt als größter Lehrer auf dem spirituellen Pfad, ohne ihn wären wir aufgeblasen, arrogant und hochmütig. Durch die Begegnung mit ihm entwickeln wir zahlreiche Qualitäten wie Demut, Geduld, Nachsicht, Reflexion, Durchhaltevermögen und Konzentration auf das Wesentliche und viele andere.

Demut ist ein Wort, das meines Erachtens heutzutage nicht häufig im deutschen Sprachgebrauch benutzt wird. Saturnische Eigenschaften wie das Akzeptieren von Grenzen und Schwächen sind Werte, die in unserer heutigen Gesellschaft weniger geschätzt werden und tatsächlich sogar häufig mit Versagen gleichgesetzt werden. Dabei sind Versagen und Grenzen zwei vollkommen unterschiedliche Begrifflichkeiten und Angelegenheiten.

Das Annehmen von Grenzen fällt vielen schwer. Aber durch die fehlende Annahme, entsteht häufig eine überdimensionale Angst vor dem vermeintlichen Versagen und man verliert Bodenhaftung, so provoziert das nicht Akzeptieren der eigenen Grenzen geradezu Burn-out und Zusammenbruch.

Anstatt objektiv zu sehen, dass wir sowohl Qualitäten und als auch viele Schwächen haben und wo unsere Grenzen liegen, muss heutzutage alles immer weiter perfektioniert werden. Alles soll wachsen, am besten endlos, wie auch unsere Wirtschaft, immer weiter und schneller.

Grenzen zu sehen, ist da nicht willkommen, doch wer ein glückliches Leben führen möchte, der kommt nicht drum herum, sich mit den eigenen Grenzen zu beschäftigen, ansonsten nehmen Spannungen, Frust und Druck zu und der Seelenfrieden geht verloren.

Genügsamkeit und Demut sind Werte, die unerlässlich sind, um ein glückliches Leben zu führen.

Demut erwächst aus der Erkenntnis, dass es etwas Höheres, Unerreichbares gibt. Wie sehr du dich auch abplagst, es gibt Dinge, die du schier nicht schaffen kannst, das Leben endet ohnehin immer mit dem Tod.

Es gibt zahllose Bedingungen und Umstände, welche die Lebensspanne verkürzen können, noch bevor du das Greisenalter erreichst. Täglich sterben Menschen auf unterschiedlichste Weise, da ist es geradezu ein Wunder, dass du bis zum jetzigen Moment überlebt hast! Mache dir das bewusst und gib deine Getriebenheit und deinen Ehrgeiz auf!

Letztlich ist es übrigens Stolz, der Angst bewirkt. Je mehr Angst du hast, desto mehr Stolz ist da, was dir wiederum zeigt, wie groß dein Ego ist.

So gesehen führt eine Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten zu mehr Demut.

Anstatt stolz an der Leid bringenden Affirmation „Ich schaffe alles!“ festzuhalten, wäre es in der Tat weise sich mit seinen Grenzen, Schwächen und Fehlern auszusöhnen und Affirmation zu wählen wie „Ich darf mich blamieren“, „Ich muss nicht alles können“ und „Ich muss nicht perfekt sein“.

Sind das nicht entspannende Affirmationen?